Letztes Aktualisierung:
11. 10. 2017


Ausdruck vom:
18. Oktober 2017


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FAQ

Häufige Fragen zum Thema "Schwerhörigkeit"

17. 01. 2011

Die meistgestellten Fragen rund um das Thema "Schwerhörigkeit" in Kurzform beantwortet.

Schwerhörigkeit allgemein:

·        Wenn jemand schwerhörig ist, genügt es, lauter zu sprechen oder auch zu schreien?
Nein, schreien ist nur unangenehm. Die meisten Betroffenen sind im Hochtonbereich schwerhörig. Durch das Schreien wird die Stimme schriller und stärker verzerrt. Abgesehen davon wirkt es auf den Betroffenen aggressiv. Besser ist es, den Betroffenen ins Gesicht zu schauen und etwas langsamer sprechen, sodass der Betroffene das Mundbild sehen kann und auch Lippenabsehen kann. Es kommt auch auf die Betroffenen an. Es gibt Menschen, mit ihnen kann man ganz normal sprechen. Es gibt andere Betroffene, die brauchen das Mundbild, um verstehen zu können. Wichtig ist, dass man beim Sprechen nicht überzeichnet artikuliert, denn dann wird Lippenabsehen unmöglich!

·        Ist die Ursache der Schwerhörigkeit immer dieselbe? Hört man nur leiser?
Die Ursache ist nicht immer dieselbe, denn das Ohr besteht aus mehreren Bereichen (Außenohr, Mittelohr und Innenohr) und in jedem Bereich ist es möglich, einen Schaden zu haben. Aufgrund der unterschiedlichen Örtlichkeit des Problems hört sich auch jede Art der Schwerhörigkeit anders an. Schwerhörigkeit bedeutet nicht leiser, sondern anders hören.

·        Worauf muss ich im Gespräch mit schwerhörigen Betroffenen achten?
Wichtig ist, dass das eigene Gesicht gut sichtbar ist. D.h. nicht vor einem Fenster stehen (Hintergrund ist heller und dadurch sieht man das Gesicht nicht mehr gut), Blickkontakt zum Betroffenen halten, langsam sprechen. Ein Vollbart bzw. Zigaretten und Kaugummi im Mund während dem Reden erschweren das Verstehen. Außerdem ist zu beachten, in welcher Umgebung man sich befindet. Eine laute Umgebung (z.B. Straßenlärm, ein volles Restaurant, Durchsagen,...) erschweren das Verstehen von gesprochenen Sätzen.

·        Ab wann muss ein Mensch bei beginnender Schwerhörigkeit zum Arzt gehen?
Je früher desto besser. Denn: Je länger man nicht zum Arzt geht und je später man Hörgeräte angepasst bekommt, desto schwerer wird es, sich an die neuen Geräusche und Höreindrücke zu gewöhnen. Die Ärzte sprechen von bis zu 10 Jahre, dass man zu spät zum Arzt geht. In diesem Zeitrahmen gewöhnt sich das Gehirn an die derzeitigen Höreindrücke. Wenn dann erst die ersten Hörgeräte angepasst werden, dann muss das Gehirn die Höreindrücke, die es in den vergangenen Jahren nicht gehört hat, neu hören lernen und das wird mitunter sehr schwierig.

·        Ist es möglich, eine zweite Meinung einzuholen (beim Arzt)?
Man darf pro Quartal einen HNO-Arzt aufsuchen, weil die Krankenkasse quartalsmäßig abrechnen. Es ist aber durchaus möglich, auf eine HNO-Ambulanz auch während dem Quartal eine zweite Meinung einzuholen.

·        Wieso versteht ein Schwerhöriger in einem Restaurant(Gastraum) viel schlechter als im Gastgarten?
In einem Raum wird der Schall an den Wänden wieder zurückgeworfen. Wenn jetzt im Restaurant viele Leute sitzen und miteinander reden, entwickelt sich ein sogenannter Störlärm bzw. Lärmpegel, der Betroffene das Verstehen erschwert. Im Freien kann sich der Schall verteilen und wird nicht so leicht zurückgeworfen. Deshalb ist bei der gleichen Menge an Personen trotzdem ein Verstehen leichter. 

·        Mir ist aufgefallen, dass in einer Diskussion viele Schwerhörige nicht mitkommen. Warum ist das so?
Schwerhörige Menschen müssen konzentriert zuhören. Das heißt, sie brauchen das Gesicht und das Mundbild. Sie müssen das Gehörte mit dem Hintergrundwissen, das sie haben, kombinieren, weil  sie nicht wortwörtlich verstehen. Dies führt dazu, dass die Betroffenen das Verstandene für sich noch einmal zu einem Gesamtbild fügen müssen um dann mitzubekommen, worum es geht. Bei einer Diskussion wird bekanntlich nicht langsam sondern auch noch sehr schnell gesprochen. Deshalb können viele Schwerhörige bei einer Diskussion zwar vielleicht noch mitverfolgen, um was es geht aber bis sie soweit sind, dass sie auch etwas dazu beitragen können, hat sich das Gespräch schon wieder weiter entwickelt, sodass ein Beitrag von Seiten des Betroffenen nicht mehr möglich wird. 

·        Warum hört ein Betroffener an einem Tag gut und an einem anderen Tag in gleicher Situation nicht so gut?
Für schwerhörige Menschen bedeutet „hören“ 24 h Arbeit. Sie müssen sich durchgehend konzentrieren, kombinieren und entsprechende Antworten liefern. Dadurch ermüden sie viel schneller. Es hängt auch von der Tagesverfassung ab, wie gut man geschlafen hat bzw. in welcher Stimmungslage man sich befindet. Dadurch werden Schwankungen des Hörvermögens stärker sichtbar als bei hörenden Personen.

·        Welche Veränderungen im gesellschaftlichen Leben bringt eine Schwerhörigkeit mit sich?
Durch die Schwierigkeiten, die in der Kommunikation aufgrund der Schwerhörigkeit entstehen, werden viele Betroffene sich immer mehr aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen. Sie gehen nicht mehr ins Theater oder Kabarett, weil sie nichts mehr verstehen. Auch Treffen in Restaurants, wo es oft laut ist, oder in großen Gruppen fühlen sich viele Betroffene nicht mehr wohl, weil es anstrengend ist, dem Gespräch zu folgen.

·        Wohin soll ich mich wenden, wenn mir auffällt, dass ich nicht mehr so gut höre?
Sie sollten einen HNO-Arzt aufsuchen, sodass dieser Sie untersuchen kann und eine Diagnose stellen kann. Dieser Arzt wird Ihnen dann sagen, wohin Sie sich dann wenden können.

 

Hörhilfsmittel:

·        Was ist ein CI?
„CI“ ist die Abkürzung für „Cochlea-Implantat“ und ist eine Hörprothese, die operativ eingesetzt wird. Das CI besteht aus zwei Teilen: einem Teil, das bei der Operation im Kopf in die Schnecke eingeführt wird und einem Außenteil, das mit Batteriefach, Mikrofon und Sprachprozessor ausgestattet ist. Der Magnet hält die Verbindung zwischen dem Innenteil und dem Sprachprozessor aufrecht, sodass die Sprache über die Spule an die Platine hinter dem Ohr übertragen werden kann.

·        Kann ein Hörgerät/Cochlea-Implantat die Hörkurve eines gesunden Ohres erreichen?
Nein, weder ein Hörgerät noch ein Cochlea-Implantat können das Niveau eines gesunden Ohres erreichen.

·        Worauf muss ich beim Kauf eines Hörgerätes achten?
Lesen Sie dazu unseren Folder Nr. 2 „Geheimsache Hörgerät“.

·        Bekomme ich finanzielle Unterstützung für mein Hörgerät?
Vorrangig ist die Krankenkasse für die Abdeckung der Hörgerätekosten zuständig. Sollten etwaige Restkosten für Sie anfallen, so wenden Sie sich an die Technische Assistenz für Schwerhörige in Ihrem Bundesland und vereinbaren Sie ein Beratungsgespräch.

·        Wann ist ein CI erforderlich?
Ein CI ist dann notwendig, wenn der Betroffene mit Hörgeräten nicht mehr gut zurecht kommt. Dies entscheidet der Arzt mit dem Patienten gemeinsam, da die letztendliche Entscheidung beim Patienten liegt.

·        Kann ich nach einer Cochlea-Implantation wieder ein Hörgerät probieren?
Nein, weil bei der Implantation eines CI die Schnecke unwiederbringlich zerstört wird.

·        Wenn ich mir ein CI implantieren lasse – höre ich gleich alles?
Hören können Sie vielleicht alles, aber sicher nicht verstehen. Es wird unterschieden zwischen „hören“ und „verstehen“. Nach der Implantierung sollte eine Rehabilitation stattfinden.

Technische Zusatzhilfsmittel:

·        Ich verstehe am Telefon trotz Hörgeräte nicht mehr gut. Gibt es Möglichkeiten, wieder telefonieren zu können?
Ja, es gibt technische Hilfsmittel, die ein Verstehen am Telefon wieder ermöglichen. Am besten ist es, Sie erkundigen sich bei einer technischen Assistenz oder Beratungsstelle für Schwerhörige in Ihrer Nähe.

·        Am Arbeitsplatz ist es so laut, da verstehe ich nichts mehr. Kann man da etwas machen oder muss ich meine Arbeit aufgeben?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Lärmpegel beim Arbeitsplatz zu verringern. Machen Sie einen Termin in einer technischen Assistenz aus und lassen Sie sich beraten!

·        Wie wird ein Schwerhöriger, der den Wecker nicht mehr hört, morgens ohne Personal zeitgerecht munter bzw. wie hört ein Schwerhöriger die Türklingel?
Für diese Situationen gibt es verschiedene Zusatzhilfsmittel, die einem Schwerhörigen ermöglichen, selbständig zu leben. Für nähere Informationen sehen Sie sich auf der Webpage
www.schwerhoerigen-service.at unter „Produktkatalog“ um.

Fragen zur Organisation:

·        Kann ich beim ÖSB-Österr. Schwerhörigenbund Dachverband als Person Mitglied werden?
Nein. Beim Dachverband können nur Vereine unter bestimmten Voraussetzungen Mitglied werden.

·        Welche Ziele hat der ÖSB?
Sehen Sie sich bitte die Homepage des ÖSB
www.oesb-dachverband.at unter „Die Organisation“ an.

·        Welche Vereine sind derzeit beim ÖSB Mitglied?
„VOX-Schwerhörigenzentrum Wien“ und „Forum Besser Hören-Schwerhörigenzentrum Kärnten“ sind die Trägervereine des ÖSB und somit ordentliches Mitglied. „Der Verein VonOHRzuOHR“ ist außerordentliches Mitglied im ÖSB, weitere Vereine, Gruppen und Plattformen aus Österreich sind Kooperationspartner des ÖSB.

·        Wenn ich zum Thema Schwerhörigkeit spezielle Fragen habe, an wen kann ich mich wenden?
Je nach Lage Ihres Wohnorts wenden Sie sich bitte an die nächstgelegene Beratungsstelle. Sie finden unter
www.schwerhoerigen-service.at die Technische Assistenzen aufgelistet.

Kinder und Jugendliche

·        Gibt es eigentlich auch junge Menschen, die schwerhörig sind?
Ja, und diese Gruppe wird immer mehr. Zum einen hat es mit der Früherkennung bei Babys und Kleinkindern und zum anderen aber auch mit der immer größer werdenden Lärmbelastung (MP3, Disco etc.), die der Menschheit ausgesetzt ist, zu tun.

·        Was ist ein Neugeborenen-Screening?
Ein Neugeborenen-Screening ist ein Hörtest, wo bei Babys und Kleinkindern die Tätigkeit der Schnecke getestet wird. Bei diesem Test muss das Baby bzw. Kleinkind sich ruhig verhalten (am besten im Schlaf). Es wird ein Ton ausgesendet. Wenn die Schnecke richtig arbeitet, wird ein anderer Ton erzeugt und dieses wird vom Gerät mittels Mikrofon aufgefangen und gemessen. Dieser Test sagt lediglich aus, ob eine Hörstörung vorliegen kann oder nicht. Bei einem auffälligen Ergebnis wird der Test meistens nach ca. 10 Tagen wiederholt. 

·        Welche Bedeutung hat die Früherkennung bei Kindern?
Kinder, deren Schwerhörigkeit früh, im Idealfall bereits als Neugeborenes, erkannt wird, haben eine große Chance entsprechend der Diagnose eine für sie passende Unterstützung zu bekommen. Sie werden meist mit Hörgeräten versorgt, sodass das Gehirn fast von Anfang an die Hörreize aufnehmen und verarbeiten kann. Dadurch wird Sprachanbahnung möglich. Je später die Diagnose gestellt wird und je schwerer das Kind hört, umso schwieriger wird auch das Sprechen lernen.